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| 23.10.2008 / FTD |
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Industrie
Indien im Space Race
Asiatische Wirtschaftsmacht schickt erste Sonde zum Mond · Regierung will mitSchnäppchenangeboten in den Markt
von Volker Müller
Indien ist auf den Weg zum Mond. Um 6.22 Uhr hob gestern früh im Weltraumbahnhof Satish Dhawan nördlich der Millionenmetropole Chennai (früher: Madras) die Sonde Chandrayaan-1 ohne Probleme ab und erreichte 19 Minuten später die Umlaufbahn. Ministerpräsident Manmohan Singh sagte, Indien sei stolz auf seine Wissenschaftler: "Die ganze Nation zieht vor Ihnen den Hut."
Chandrayaan-1 ist der erste Schritt eines ambitionierten indischen Mondprogramms. Für das Jahr 2011 ist in Kooperation mit Russland der Start der Sonde Chandrayaan-2 geplant. Dann soll ein unbemanntes Raumschiff auf dem Mond landen und den Erdtrabanten näher erkunden. Das wirtschaftlich aufstrebende Land unterstreicht mit dem gestrigen Start seine technische Kompetenz - und seinen Willen, auf dem Markt für den Weltraumtransport kommerzieller Satelliten Fuß zu fassen.
An Bord der internationalen Forschungssonde befinden sich auch Instrumente aus Deutschland, Bulgarien und den USA. Sie soll in etwa 16 Tagen die Umlaufbahn des Mondes erreichen und zwei Jahre in 100 Kilometern Höhe um ihn kreisen. Die Wissenschaftler erhoffen sich neue Erkenntnisse über die Zusammensetzung des Mondgesteins, die Rückschlüsse auf die Entstehung des Erdtrabanten zulassen - sowie neue Mondkarten. Die bisherigen stammen noch von den amerikanischen Apollo-Missionen Ende der 60er-Jahre.
Die knapp 1400 Kilogramm schwere Sonde wird selber nicht auf dem Mond landen. Chandrayaan-1 soll aber ein kleineres Gerät namens Moon Impact Probe (MIP) zum kontrollierten Crash auf den Mond schicken. Diese 35-Kilo-Sonde mit den Ausmaßen eines Computermonitors wird während des Absturzes Nahaufnahmen vom Mond machen. Sie soll außerdem Daten sammeln, die bei der Vorbereitung einer späteren Mondlandung helfen.
Mit Kosten von gerade einmal 86 Mio. $ ist die indische Mondmission die billigste aller Zeiten. Der Start der japanischen Kayuga-Mission im vergangenen Jahr kostete mit 480 Mio. $ fast das Sechsfache. Selbst Chinas Chang'e-1-Projekt war 2007 mit 187 Mio. $ vergleichsweise teuer. Mit den niedrigen Preisen erhofft Indien sich einen sicheren Platz im Geschäft mit den jährlich etwa 20 bis 25 kommerziellen Raketenstarts. Bislang teilen sich weitgehend die USA, Russland, China und die Europäische Weltraumagentur Esa den Markt.
Spätestens im Jahr 2015 werde Indien auch erstmals zwei Astronauten ins All schicken, versprach der Chef der Indischen Raumforschungsorganisation, Madhavan Nair, nach dem geglückten Start von Chandrayaan-1. Sie sollen mindestens eine Woche im All bleiben. "Das wird uns etwa 2,44 Mrd. $ kosten", sagte Nair. Zum Vergleich: Ein Start der Saturn-Mondraketen der USA würde heute etwa 46 Mrd. $ kosten. 2020 könnte dann die erste indische Mondlandung erfolgen.
Bislang haben die asiatischen Nachbarn Japan und China allerdings die Nase vorn. Im September hatte China als dritte Nation nach Russland und den USA einen Astronauten zum Weltraumspaziergang geschickt. Peking hat mehrfach das Ziel verkündet, eine bemannte Mission zum Mond zu senden. Zudem will China als Konkurrenz zur Internationalen Raumstation (ISS) ein eigenes Weltraumlabor bauen. Japan plant ebenfalls bis zum Jahr 2020 eine bemannte Raummission.
Die Anfänge der indischen Raumfahrt reichen bis in das Jahr 1963 zurück. Seither hat Indien zahlreiche Trägerraketen entwikkelt, bisher aber nur eigene Satelliten in verschiedene Erdumlaufbahnen geschossen. Ein eigenes Raumfahrtprogramm gilt unter den asiatischen Wirtschaftsmächten als Symbol nationaler Stärke.
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